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26.11.2005

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Wirtschaft in Neu Samara bis 1930: Landwirtschaft, Handel und Handwerk

von Dietrich Tissen

Unsere Vorfahren sind vor allem aus wirtschaftlichen Gründen nach Neu Samara gezogen, es ist also wichtig dieses Themengebiet zu betrachten. Die Haupterwerbsquelle war die Landwirtschaft und ist es auch noch für die heutige Bevölkerung des Krasnogvardejskij Rajon. Alles andere wie Handel und Handwerk diente entweder den persönlichen Konsumbedürfnissen oder zur Ermöglichung und Erleichterung der landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Große Fabriken, wie in den Mutterkolonien und hier insbesondere in Chortitza, gab es Neu Samara nicht.

Bei der Behandlung dieses Themas muss man zwei zeitliche Perioden scharf unterscheiden: einmal die Zeit von der Besiedlung 1890-1892 bis zur Kollektivierung 1929-1930 in der die ursprüngliche mennonitische Arbeits- und Wirtschaftsweise sich ungehindert entfalten konnte, wobei die 20-er Jahre als Übergangphase zur nächsten, durch Planwirtschaft geprägten, Periode zu betrachten sind. Diese zweite Periode dauerte in etwa bis zur Ausreise der meisten deutschen Einwohner von Neu Samara nach Deutschland Anfang der 1990-er. Die heutige Wirtschaft in Neu Samara und Russland allgemein befindet sich seitdem in einem allmählichen Übergang zur Marktwirtschaft.

Landwirtschaft vor der Kollektivierung

Wie schon erwähnt bildete die Landwirtschaft die Haupterwerbsquelle der mennontischen Bevölkerung in Neu Samara und im damaligem Russland überhaupt. Nach einer Statistik im Buch "Das Mennonitentum" waren Anfang des 20-en Jahrhunderts 73.1 % der mennonitischen Erwerbstätigen Landwirte. Die Landwirtschaft besaß auch traditionell den höchsten Stellenwert in der mennonitischen Gesellschaft. Deshalb bemühte sich jeder Mennonit eine eigene Farm aufzubauen. Wie ich schon in der geschichtlichen Betrachtung dargelegt habe, waren große Teile der mennonitischen Bevölkerung ohne eigenes Land. Man schätzt, dass in den 1860-er Jahren, also vor den Reformen und der massiven Gründung der Tochterkolonien, etwa 2/3 der Bevölkerung von Molotschna kein eigenes Land besaßen.

Die Siedler, die also nach Neu Samara kamen, gehörten also im allgemeinen zu dieser Gruppe, dem Besiedlungsvertrag zu Folge sogar in mehreren Generationen. Eine Ausnahme bildeten die Freikäufer, die nicht landlos sein mussten, um in Neu Samara Land zu kaufen. Wobei sich hier die Frage stellt ob die Freikäufer wirklich schon in Molotschna eine eigene Wirtschaft führten oder ob sie nicht in irgendeiner Form von ihren vermögenden Eltern oder Geschwistern bei der Bezahlung der Summe, die sofort zu entrichten war, unterstützt wurden. Die Landlosen müssen vorher als Knechte in der Landwirtschaft oder im Handwerk und Handel tätig gewesen sein. Eine weitere Möglichkeit ist die Benutzung von gepachtetem Land zur landwirtschaftlichen Tätigkeit. Meiner Meinung nach kommt das eher für die Freikäufer in Betracht, da in diesem Fall schon die Gerätschaften und das Nutzvieh vorhanden gewesen sein mussten, die später nach Neu Samara gebracht werden konnten. Die meisten hatten aber auf jeden Fall ein Grundstück neben dem Haus, wo man etwas Gemüse anbauen konnte. Sie waren also der Landwirtschaft nicht völlig entfremdet.

Lageplan der HofstelleDem Besiedlungsvertrag zu Folge bekamen die Freikäufer 80 Desjatinen und die Landlosen 40 Desjatinen Land. Für die damaligen Verhältnisse muss das ausreichend gewesen sein um eine bäuerliche Wirtschaft zu führen, die Siedler in Molotschna bekamen beispielsweise 60 Desjatinen. Ein Teil des Bodens befand sich direkt neben dem Haus. Die Hofstelle, auf der das Haus gebaut wurde, hatte die Abmessungen von etwa 64 m * 200 m, also 12800 qm - etwas mehr als eine Desjatine. Die Hofstellen lagen quer zu einer breiten Strasse. Vor dem Haus an der Strasse war ein Vorgarten mit Bäumen meistens Pappeln. Die Grenze zur Strasse wurde mit einer Reihe von Bäumen bepflanzt. Hinter dem Haus befand sich der Gemüsegarten, das Kartoffelfeld, der Melonengarten und dann am Ende eine weitere Reihe von Bäumen. In der Mitte, manchmal auch an der Seite des Gartens verlief längs eine Reihe von Stachel-, Johannes- und Himbeersträuchen und Obstbäumen. Entlang von so einem Streifen gab es einen Pfad, wo man gehen konnte. Der Sträucherstreifen zusammen mit dem Fußweg wird auf Plautdietsch Goadestich (Gartensteg) genannt. Hinter den Hofstellen verlief eine Strasse, auf deren anderen Seite verfügte jeder Siedler noch über ein etwa gleich großes Stück Land. Der Rest der eingeteilten 40 Desjatinen war wahrscheinlich in 2-3 Teile über die dem Dorf zur Verfügung stehende Fläche verteilt, damit jeder Landwirt Boden von ähnlicher Qualität bearbeitete. So war z.B. der Boden näher am Fluss sicher fruchtbarer.

Im Garten wuchsen die Obstbäume wie Apfel-, Birnen und Kirschbäume. Die Johannes- und Stachelbeeren wurden 1891 als Stecklinge und Pflanzen von Molotschna mitgebracht. Nicht alle Obstbäume, die man aus der Ukraine mitgebracht hat, haben das harte Klima überlebt. Im Gemüsegarten gab es Zuckerrüben, rote und gelbe Rüben, Kohl, Salat, Pasternak, Tomaten, Radieschen, Petersilie, Anis, Dill, Erbsen, Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Gurken, Pfefferschoten, Zuckerschoten (eine Erbsensorte), Pfefferminz und Kamillen. Daneben wuchsen noch Melonen und Wassermelonen, auch Arbusen genannt (aus dem Russischen übernommenes Wort).

Angebaut wurde hauptsächlich Getreide, dieses wurde nach Sorotschinsk auf den Markt gebracht. Man betrieb Dreifelderwirtschaft: Im ersten Jahr mähte man das Unkraut auf der Brache ab. Im zweiten Jahr wurde es bis Mitte Juli beweidet und dann tief mit dem Einschar gepflügt. Das Unkraut, das jetzt noch blieb, wurde durch den Frost vernichtet. In diese Brache säte man den Weizen. Im nächsten Jahr wurden Gerste und Hafer angebaut. Außerdem wurde noch der Roggen angebaut, aber nur zu eigenem Gebrauch, da der Ertrag niedrig war. Man besäte das Land insgesamt jeweils 3 Jahre lang im Wechsel mit 2 Jahren Brache. Von dem anfänglichem ein Jahr Brache ist man rasch abgekommen, da der Boden sich nicht so schnell erholen konnte. Gerste und Hafer wurde als Viehfutter verwendet, als weiteres Futtergetreide wurden noch Hirse und Mais angebaut. Die Fruchtfolge mit Brache und den Weizenanbau für den Verkauf hat man aus Molotschna übernommen, wo sich die Siedler, insbesondere nach dem Krimkrieg, stark auf den Weizenexport spezialisiert haben.

Bemerkenswert ist die Anzahl verschiedener landwirtschaftlicher Geräte, die die Siedler benutzten. Es gab den Einschar, den Schrägpflug mit Kasten, die Spardrille, die Falldrille, die steife Vierbalkenegge, die Federegge, die Grasmaschine, den Garbenbinder, den Dreschsein, die Dreschmaschine mit Pferdeantrieb, die Putzmühle, und den Trieur (Maschine zum Reinigen des Getreides vom fremden Samen). Nicht jeder Ansiedler besaß alle Geräte - man lieh sich die Geräte gegenseitig aus. Das teuerste und aufwändigste Gerät war wohl die Dreschmaschine, man brauchte allein acht Pferde, um diese anzutreiben. Anfänglich wurde mit dem Dreschstein gedroschen (herauslösen der Samen von den Ähren). Das war eine ziemlich langwierige Angelegenheit: man rollte mit dem Dreschstein mehrmals über das verteilte Getreide drüber.
Dreschen in Pioniertagen
Dreschen mit dem Dreschstein
In den ersten Jahren der Ansiedlung konnte man sich wahrscheinlich die Dreschmaschine nicht leisten. Später aber benutzte man wohl hauptsächlich diese, da dadurch die Arbeit erheblich erleichtert wird.


Die Grasmähmaschine

Die Haspelmaschine (Lobogrejka)
Anfänglich wurde das Getreide mit der Haspelmaschine geschnitten, das geschnittene Getreide wurde von der Maschine nach hinten befördert und musste von einem Helfer in regelmäßigen Zeitabständen gebunden und zur Seite gelegt werden. Das war eine schweißtreibende Arbeit, daher kommt auch der russische Name für die Maschine - Lobogreika - der Stirnwärmer. Später kamen die Harkmaschine und der Selbstbinder. Um eine Vorstellung von der Ausstattung der Siedler an landwirtschaftlichen Geräten zu geben, erwähne ich die Zahlen für Jugowka im Jahr 1914: 12 Dreschmaschinen, davon zwei mit Motorbetrieb und vier Selbstbinder.

Als Hilfskräfte beschäftigte man die Einwohner der umliegenden Dörfer: Russen, Baschkiren und Mordwinen. Insbesondere während der Ernte gab es einen hohen Arbeitskräftebedarf. Auch sonst beschäftigten die Bauern Arbeiter, besonders wenn sie noch keine erwachsene Söhne hatten. Im Gegensatz zur Mutterkolonie gab es wohl nicht viele mennonitische Hilfsarbeiter, da jeder eine eigene Wirtschaft hatte. Als kleine Anekdote am Rande kann man noch die Versuche den nicht-deutschen Hilfskräften Plattdeutsch beizubringen erwähnen.

Die Landwirtschaft wurde durch das ungewohnte Klima und die Armut der Siedler behindert. Die alte Heimat Molotscha befand sich in der südlichen Ukraine am Asowschen Meer. Das Klima dort ist milder als Neu Samara, wo es zu Temperaturausschlägen bis zu -35 Grad kommen kann. Dazu kommt noch der Rhythmus der Niederschläge: schneereiche Winter, trockene Sommer und regenreicher Herbst. Es gab periodische Dürren, so in den Jahren 1906 (totale Missernte), 1911,1916 und 1921.

Es gab keine ausgeprägte Viehzucht. Anfänglich begnügte man sich mit dem Vieh, das man in der Gegend kaufen konnte. Später hielt man Ausschau nach besserem Zuchtvieh. Durch gemeinsam gekaufte Zuchthengste, wurde die Pferderasse stark verbessert. Jeder Bauer durfte nur eine gewisse Anzahl Vieh auf die gemeinsame Weide treiben. Hatte jemand mehr, so musste er sich mit dem einiger, der weniger hatte. Ein von der Dorfversammlung beauftragter Hirte trieb das Vieh auf die Weide und von der Weide zurück. Die Straße hatte die entsprechende Breite, um die Herde morgens und abends aufnehmen zu können. Dieser Viehtrieb wurde auch später beibehalten, als jede Familie nur 1-2 Kühe privat halten durfte. Als Kind habe ich das noch Ende der 80-er Jahre selbst erlebt.

 Die Hauptstrasse "Sowjetskaja" in Donskoj am Abend, 1980-er. Das Vieh kommt von der Weide.
Die Schweinezucht besaß keine kommerzielle Bedeutung, sie wurde nur für den eigenen Bedarf betrieben.

Besonders erwähnt müssen die großen Güter. Davon gab es am Schluß 1917 neun, unter anderem: von Heinrich Reimer, Klassen, Heinrich Dück, Thiessen, J.Voth, Warkentin und Franz Regehr. Einen der größten Güter hatte Heinrich Reimer - sein Landbesitz hatte eine Größe von 5.931 Desjatinen. Er verpachtete einen Teil seines Bodens an die Siedler in Bogomasowo. Die Bewirtschaftung dieser Güter kann sich nicht so stark von der in den Mutterkolonien unterschieden haben. Außer einem mennonitischen Verwalter wurden wohl nur nicht-deutsche Arbeitskräfte beschäftigt. Ihre Siedlungen entwickelten sich später zu kleinen Dörfern, so z.B. Novosjolki, Komsomolez, Novojagodny und Alexejewka ( die Namen stammen aus der sowjetischen Zeit ). Die Güter wurden schon bald nach der Oktoberrevolution 1917 enteignet und ihre Besitzer mussten fliehen.

Handel und Handwerk vor der Kollektivierung

Nach und nach gab es in fast jedem Dorf einen Laden, der die Dorfbewohner mit notwendigen Waren versorgte und ihnen die Überschüsse an Eiern und Butter abnahm. Die Milch konnte an eine Käserei in Pleschanowo abgesetzt werden (die Käserei in Lugowsk wurde erst nach der Kollektivierung errichtet).

Im Zusammenhang mit der Besteuerung der Mennoniten zur Finanzierung des Forsteidienstes entstand 1908 die folgende Liste der Geschäftsinhaber in Neu Samara:
Name des Geschäftsinhabers Art des Geschäfts Wert des Geschäftes
in Rubeln
Ort
Johann Dick Laden 7000 Dolinsk
N. Enns Mühle 1000 Dolinsk
Franz Klassen Laden 8000 Donskoj
Jakob Wittenberg Maschinenlager 3000 Donskoj
Gerhard Neufeld Laden 1300 Lugowsk
Kornelius Regehr Laden 10000 Podolsk
Elias Regehr Laden 5000 Pleschanow
Kornelius Bergen Motormühle 1000 Pleschanow
Johann Wall Wassermühle 20000 am Tock
Insgesamt 56300  
Quelle: Manitoba Mennonite Historical Society

In Pleschanowo betrieb Franz Klassen, der Großvater des Cornelius F. Klassen, einen Laden für Kolonial- und Schnittwaren. Er kam schon bald nach dem Beginn der Ansiedlung nach Neu Samara. Er kaufte die Waren in Sorotschinsk ein und brachte sie nach Pleschanowo. Nach und nach weitete er seinen Handel aus. Bei seinen Fahrten nahm er die Post der Einwohner mit. Überhaupt wurde in den ersten Jahren der Postverkehr nach Sorotschinsk von den Händlern übernohmen. Erst 1905 wurde in Pleschanowo ein eigenes Postamt gegründet. Franz Klassen war so erfolgreich, dass er sich als Wohltäter betätigen konnte: an Weihnachten lud er die Kinder des Dorfes zu sich nach Hause, wo jeder mit einer Tüte Süßigkeiten beschenkt wurde. Er war auch an dem Bau der Kirche in Pleschanowo beteiligt. Sein Sohn Franz Klassen baute 1904 in Donskoj ein zweistöckiges Haus mit Wasserheizung. Im unteren Stock wurde ein Laden eingerichtet.

In Dolinsk war der von Johann Aron Dyck gegründete Laden sehr erfolgreich. Er wurde später von seinem Sohn Johann weitergeführt. Der Laden wurde in den 20-ern an Riesen verkauft, der dann während der Kollektivierung enteignet wurde. Das große Backsteinhaus ist seither als Riesen'shaus bekannt. In Podolsk gab es das Geschäft von Kornelius Regehr, das 1908 von H.Warkentin gekauft und stark ausgeweitet wurde. In Bogomasowo gab es sogar zwei Läden. In Kaltan gab es zwei Läden von Janzen und Jakob Zimmermann. Einige Ladenbesitzer besaßen noch Land und betrieben Landwirtschaft, wie z.B. Jakob Zimmermann.

Die Waren wurden aus Sorotschinsk, Busuluk, Samara und Ufa gebracht. Verkauft wurden Zucker, Süssigkeiten, Pfefferkuchen, Kolonialwaren: Tee, Kaffee, Vanille, Zimt, Gewürznelken, verschiedene Nussarten, desweiteren Sonnenblumen-, Hanf- und Leinenöl. Die Dorfbewohner konnten dort auch Schuhe und Kleidungsstoffe kaufen. In den Läden gab es außer den Regalen und Ladentischen auch Tische und Stühle, wo sich die Kunden hinsetzen konnten um sich zu erholen, Neuigkeiten austauschen oder Geschäfte besprechen. Bei Wunsch konnten sie eine Tasse Tee oder Kaffee trinken. Da die Bauern den größten Teil ihres Einkommens erst nach dem Verkauf der Ernte bekamen, brauchten sie ihre Einkäufe nicht sofort bar zu bezahlen und konnten Kredit nehmen. Die Schulden wurden in ein Schuldbuch eingetragen. Bei teuren Waren und landwirtschaftlichen Maschinen wurde von dem Käufer ein Wechsel ausgestellt.

In eine ganz andere Kategorie fallen die 2 Maschinenlager: das von Jakob Wittenberg in Donskoj und das von Gerhard Dück in Pleschanowo. Jakob Wittenberg gründete sein Geschäft 1906, Gerhard Dück ein wenig später. Die Bauern konnten dort die benötigen landwirtschaftlichen Geräte kaufen. Die Maschinen wurden auch von den umliegenden nicht-deutschen Einwohnern gekauft. Vermutlich brauchte man zur Gründung eines solchen Geschäfts erheblich mehr Kapital als bei einem Kaufladen, da die Maschinen sehr teuer waren. Nach dem Haus von Jakob Wittenberg zu urteilen muss er einer der reichsten Männer in Neu Samara gewesen sein (abgesehen von den Gutsbesitzern vielleicht).

Anwesen von Jakob Wittenberg in Donskoj
Viele der Siedler waren, bevor sie nach Neu Samara kamen, Handwerker gewesen. In den ersten Jahren konnte sich kaum jemand ihre Dienste leisten. Später aber übten sie ihr Handwerk im Nebenberuf aus. So gab es Tischler, Schmiede, Färber, Töpfer u.a. Isaak Derksen in Kuterlja betrieb eine für die damalige Zeit moderne Tischlerwerkstatt. Dort wurden verschiedene Möbel wie Kommoden, verschiedene Bänke, Kleiderschränke und Särge hergestellt. Ein Färber, W. Friesen, strich die fertigen Möbel aus Derksen's Werkstatt an. Fast in jedem Dorf gab es eine Schmiede, dort wurden die Maschinen und Geräte repariert und kleine Gegenstände wie Ketten, verschiedene Pressen (z.B. Siruppressen) etc. hergestellt. In den Wintermonaten machten D.Penner und J.Ewert Geschirr.

Es wurden mehrere Ziegeleien errichtet u.a. in Podolsk von Benjamin Siebert und in Donskoj auf der Wirtschaft von Otto Eck.

Mühlen



Die Windmühle in Krassikow

Die Windmühle von Hermann Klassen in Jugowka

Die Dampfmühle von Tobias Voth, Lugowsk
Die Mennoniten waren in ganz Russland berühmt für ihre Mühlen. Es wurden auch in Neu Samara mehrere gebaut. Sie deckten sowohl den Bedarf der Neu-Samarer als auch der benachbarten nicht-deutschen Dörfer ab. Es gab drei Dampfmühlen, eine Wassermühle (Pleschanowo) und mehrere Windmühlen.

Die Wassermühle am Tock, bei Pleschanowo, wurde von Johann Wall erbaut. Zuerst wurde sie von Schöpfrädern angetrieben, dann wurde sie auf Turbinenantrieb umgestellt. Das Gebäude wurde aus gerbrannten Ziegeln errichtet und hatte mit dem Kellergeschoss 5 Stockwerke. Die Turbinen, jede je 150 PS stark, waren in einem Nebengebäude untergebracht. Um die Turbinen anzutreiben wurde der Tock durch einen Damm aufgestaut, der Damm wurde jedes Frühjahr durch den Eisgang und die Tocküberschwemmung zu großen Teilen zerstört und musste erneuert werden. Gemahlen wurden der Weizen zu Schwarzbrot und das Futtergetreide zu Schrott. Die Mühle lieferte in 24 Stunden 16.000 kg Weißmehl und Grieß. Bedient wurde die Mühle von 7 Arbeitern. Auch unser Urgroßvater Jakob Tissen hat in den 1920-ern eine Zeitlang dort gearbeitet und mit seiner Familie gewohnt. Die Mühle wurde später an Tessmann verkauft. Der letzte Eigentümer war dann Jakob Hübert. 1929 wurde die Mühle verstaatlicht.

Dieser Text soll um die Jahre nach 1930 fortgesetzt werden. Interessant wäre es möglichst detailierte Angaben über die Kolchosen zu machen, z.B. eine Liste aller Kolchosevorsitzender, welche Technik verwendet wurde und die Anzahl der verwendeten Maschinen. Im Buch "Neu Samara" steht dazu relativ wenig drin. Im Gegensatz zu der Zeit vor 1930 muss es aber noch viele Augenzeugen geben, die darüber Bescheid wissen. Meldet euch bitte!