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17.01.2006

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Biographie von Jakob Jakob Wieler 1865-1956

geschrieben von Erwin Wieler, übersetzt von Dietrich Tissen

Jakob WielerJakob Wieler wurde am 26. Juli 1865 in Fürstenau, Molotschna als jüngstes Kind von Jakob Wieler und Elisabeth Löwen geboren. Als Jakob drei Jahre alt war (1868) zog die Familie in die neu gegründete Kolonie in der Kubanregion auf dem Kaukasus. In dem ersten Frühjahr starb die Mutter dort am 8. September 1868, wahrscheinlich wegen der am Anfang rauhen Pionierbedingungen und ungeeignetem Wasser. Sein Vater beendete seine Geschäfte dort und nahm seine fünf Kinder zurück nach Gouvernement Taurien. Die Kinder wurden zwischen den Verwandten aufgeteilt und sein Vater wurde ein Zimmermann. 1870 heiratete sein Vater Susanna Wedel und zog eine Familie mit drei Kindern auf.

In der Zwischenzeit war Jakob bei mehrerer Verwandten und Freunden, bis er schließlich 1872 in Tiegenhagen als Pflegekind in Peter Friesen's Familie landete, eine Familie die keine eigenen Kinder hatte. Dort blieb er 21 Jahre. Jakob's Vater, der etwa 75 Meilen entfernt lebte, war in der Lage ihn nur einmal im Jahr zu besuchen um ihm Trost und religiöse Ermutigung zu geben. Aber auch das endete als sein Vater 1885 verstarb als Jakob 20 Jahre alt war. Jakob wuchs auf als einsames und armes Kind. Abends würde sein Kissen nass werden von seinen Tränen, vor Sehnsucht nach ein bisschen ungekanntes Glück. Über die Zeit quälte sich Jakob auch mit seinem Gewissen und fand viel Trost wenn er als junger Erwachsener der Mennoniten-Brüdergemeinde beitrat. 1892 empfahl ihm ein Freund ein bestimmtes Mädchen aus Blumenheim, Schönfeld, sie hieß Elisabeth Regehr und wäre die richtige Ehefrau für ihn. Ihre Eltern, Jakob Regehr und Maria Dyck, waren reich - sie besaßen etwa 2400 ha Land. Da Jakob arm war lehnten die Eltern seinen Versuch ihr den Hof zu machen ab. Elisabeth's Vater, der zu der Zeit schon krank war, starb kurz danach und nach Jakob's Rückkehr, nachdem er ein Jahr auf der Bibelschule in Chrischona, Schweiz verbrachte, bekam er endlich die Erlaubnis sie zu heiraten. Die Hochzeit fand dann am 27. Juni 1896 statt.

Die erste Zeit lebten Jakob und seine Braut Elisabeth zusammen mit ihrer Mutter in ihrem Haus in Blumenheim, Schönfeld, das Elisabeth erbte zusammen mit zwei weiteren Farmen zu je 180 ha und 90 ha in der Nähe. Elisabeth's Mutter hatte mit einem guten Geschäftssinn und Auge für die Zukuft 1899 in Neu Samara, in der Nähe von Podolsk, etwa 4.800 ha erworben und teilte sie zwischen den fünf Regehr Kindern auf. Elisabeth bekam als jüngstes Kind den kleinsten Anteil mit etwa 840 ha. Mutter Regehr starb kurz danach im Jahre 1901. Jakob zog 1908 auf sein Gut in Neu Samara. Zur selben Zeit kaufte er vier kleinere Farmen mit etwa 48 ha im Dorf Podolsk, wo sie einen Wohnsitz bauten um dort zu leben. Dieses wurde 1913-1914 durch eine riesige 13-Zimmervilla ersetzt. Tragischerweise konnte Elisabeth dort niemals wohnen. Schwanger zu dieser Zeit, starb sie kurz nach einem Schlittenunfall, aber nicht bevor sie in einer Frühgeburt Tochter Anna am 13. Januar 1913 gebar und zwei Tage danach am 2. Februar 1913 verstarb. Es war nicht das einzige Leid das Jakob ertragen musste, da sie davor bereits zwei ihrer Kinder verloren hatten: Johannes 1906-1911 und David 1910-1912. Sohn Peter geboren 1889, starb 1919 am Typhusfieber. Von den neun Kindern überlebten sechs. Jakob geboren 1897, Franz 1900, Gerhard 1902, Maria 1905, Elisabeth 1908 und Anna geboren 1913.

Damit jemand für seine junge Familie sorgte, heiratete Jakob ein zweites Mal am 8. Februar 1915 eine Witwe, Augusta (geb. Klassen) Stoesz aus Saratof.

Jakob's starker religiöser Glaube und seine Ausbildung in der Schweiz führten ihn dazu den größten Teil seines aktiven Leben dem Predigen zu widmen und er diente als einer der drei Prediger der Lugowsker Mennoniten-Brüdergemeinde in Neu Samara. Er war immer schon von zarter Gesundheit und bevorzugte deshalb die Verwaltung seines Guts seiner Frau zu überlassen und Hilfe anzuheuern. Er war auch als strenger Zuchtmeister und Vorgesetzter bekannt, insbesondere zu seinen Söhnen.

Ab 1914 begann eine stürmische Zeit in Russland. Der erste Weltkrieg brach aus, gefolgt von der bolschewistischen Revolution 1917. 1920 wurde sein Haus von den örtlichen Sowjets für ihr Hauptquartier konfisziert. (Es steht immer noch, aber seit den 1970-ern wird es als Podolsker Ortsmuseum benutzt.) Ab dem Sommer 1921 musste Jakob sich verstecken, als er vor einer drohenden Verhaftung gewarnt wurde. Von seinem Versteckplatz verkaufte er alles was er konnte und wandelte den Erlös in Gold. Dann arrangierte er es ein Eisenbahnwaggon zu mieten und, zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Augusta ihrer Tochter Justina aus der ersten Ehe, plus Stieftochter Helene Dyck, dem Sohn Gerhard, und den drei Töchtern plus 4 weiteren Familien (Peter Wiens und die Lehrer P. Siemens, G. Töws und Heinrich Wieler (nicht verwandt)) waren sie in der Lage nach Moskau zu fliehen. Dort ,als Mitglieder einer Gruppe von Predigern und Lehrern, waren sie in der Lage Papiere und eine Genehmigung zur Fahrt nach Wohlynien (Westukraine) zu bekommen, wo es einen Mangel an diesen Berufen gab. Dort blieben sie mehrere Monate bis sie den gefährlichen, geheimen Grenzübergang nach Polen arrangierten. Hier starb Januar 1922 Jakob's zweite Frau Augusta an Leberkrebs. Er verbrauchte das meiste von seinem Gold für Bestechungen und das Reisegeld. Sie erreichten schließlich mit sehr wenig Geld das Lager Lechfeld in Deutschland, zu einer Zeit als Deutschland unter einer extremer Inflation und Massenarbeitslosigkeit litt. Hier blieben sie bis Juni 1923 als eine Überfahrt für ihn und seine drei Töchter nach Laird, Saskatchewan in Kanada arrangiert wurde. Er wurde begleitet von seinem Sohn Franz und dessen gerade geheirateten Frau Martha Krause, der bis nach Manitoba kam. Seine anderen Söhne, Jakob jung vermählt mit Aganetha Braun und Gerhard reisten unabhängig von ihm ebenfalls nach Manitoba.

In Laird diente er als Pastor der Laird Mennoniten-Brüdergemeinde drei Jahre lang. Den enthusiastischen Berichten von den Möglichkeiten in Coaldale, Alberta folgend, zog Jakob dorthin und erwarb in der Nähe eine kleine Farm auf Kredit. Er diente auch eine kurze Zeit als Prediger in der Mennoniten-Brüdergemeinde. Am 28. Oktober 1929 heiratete er zum dritten Mal eine Witwe Maria (geb. Töws) Heese geboren am 18. Dezember 1874. Die Ehe war nicht besonders glücklich aber sie lebten lange genug zusammen um 1954 ihren 25. Hochzeitstag zu feiern. Seit den frühen 1930ern, nachdem er seine Farm verkauft hatte, war Jakob im Ruhestand und lebte ein ruhiges und karges Leben in einem kleinen Haus in Coaldale, wo er seinen Garten und Fruchtbäume pflegte. Hier starb er am 9. März 1956 und wurde auf dem Friedhof hinter seiner Kirche begraben. Er lebte ein langes und schwieriges Leben mit vielen Nöten und Enttäuschungen, aber immer mit einem starken Glauben an Gott, er zögerte niemals seinen Glauben an ihn auszudrücken.

Sein Sohn Jakob heiratete Aganetha Braun im Lager Lechfeld 1923 und siedelte schließlich in Mountain Lake, Minnesota. Franz heiratete Martha Krause 1923, ebenfalls im Lager Lechfeld, und siedelte in Saskatoon, Saskatchewan. Gerhard or George heiratete Mary Epp 1923 in Laird, Saskatchewan und ließ sich in Burnaby, British Columbia nieder. Maria heiratete Jakob Quapp 1927 und ließ sich in Coaldale, Alberta nieder. Elisabeth heiratete Heinrich Gossen 1927 und ließ sich in Vancouver, B.C. nieder. Anna heiratete David Enns 1936 und ließ sich in Vauxhaul.

Erstellt von Erwin Wieler, Sohn von Franz Wieler, in Surrey, British Columbia im Jahr 2005.