English versionPlautdietsche Version Von Dietrich Tissen und Nikolaj Tissen
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zuletzt bearbeitet
08.04.2007

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Landschaftsbeschreibung

von Dietrich Tissen

Die Neu Samara Kolonie hat ihren Schwerpunkt am Tocktal. Alle Dörfer befinden sich entweder am Tock oder an einem der Nebenflüsse: Ischalka, Beresowij, Kaltan, Kuterlja, Beresowaja. Außer Kamenetz lagen alle Dörfer südlich des Tocks. Tock ist ein Nebenfluss der Samara, die wiederum in die Wolga fliesst. Die Nebenflüsse der Samara haben alle die Besonderheit, dass sie sich an die von Osten nach Westen verlaufende Hügelketten des Obschij Sirt, anschmiegen. So ist das nördliche Ufer meist steil ansteigend, während das südliche Ufer  sanfter ansteigt. Am folgenden schematischen Querschnitt des Tocktals im Bereich Dolinsk kann man das ersehen:

Talquerschnitt

Die untere Terrasse wird im Frühling häufig überschwemmt. Die Lage des Flussbettes kann sich ändern, da der Tock mäandert. Die obere Terrasse liegt höher und wird normalerweise nicht überschwemmt. Auf dieser befinden sich alle am Tockufer errichteten Dörfer. Diese Terrasse bildete wahrscheinlich in prähistorischer, wasserreicherer Zeit das Überschwemmungsgebiet des Tocks. Der Boden ist auf dieser Fläche fruchtbarer als weiter südlich. Die untere Terrasse, auch "Plauwinj" genannt, kann man nicht bebauen und es ist nur als Wiese zu gebrauchen, auf der viele Blumen wachsen, z.B. gelbe Maitulpen, Lilien, Krokusse, und Veilchen, aber auch Beeren wie Brom- Johannes- und Erdbeeren. Sie wurde deshalb damals von den Ansiedlern auch nicht gekauft. Nach der oberen Terrasse steigt die Ebene auf einer Länge von etwa 12 km weiter an. Der Tock liegt etwa auf der Höhe von 90 m, während die Wasserscheide, also die Grenze der Einzugsgebiete, zwischen dem Tock und Malij Uran sich etwa auf der Höhe von 200 m befindet.

Fluß Tock bei Pleschanowo
Fluß Tock bei Pleschanowo, 2004.


Diese sanft ansteigende Ebene wird durch die manchmal sehr steile Schluchten der Nebenflüsse unterbrochen. In der Nähe der Wasserscheide steigt sie wieder steiler an, aber die Grenze des von den Ansiedlern gekauften Landes verläuft weiter nördlich. Somit ist die Fläche, auf der die Neu Samara Siedlung gegründet wurde, einigemaßen eben und gut für den Ackerbau geeignet, im Gegensatz zum nördlichen Ufer des Tocks, wo die Baschkiren leben.
 
Bevor die Kolonisten kamen gab es nur eine baumlose Steppe. Erst sie haben Bäume gepflanzt (wozu sie übrigens auch verpflichtet waren, jeder Ansiedler sollte auf  1/2 Desj. von seiner Hofstelle Wald anpflanzen, siehe hier). Heute sind die Straßen und die Grenzen der Grundstücke gesäumt von Bäumen: Pappeln, Ahornbäume, Weiden, Flieder, Feldulmen, Erbsensträuche sowie Johannesbeersträuche. Zwischen den einzelnen Dörfern gibt es breite Forststreifen. Das heute verlassene Dorf Kamenetz kann man noch immer an den nun verwilderten Bäumen und Sträuchen erkennen. Jeder Ansiedler hatte einen Garten in dem es auch Obstbäume gab.

Die höchste Erhebung in der Nähe Wanjakina Schischka ist 300 m hoch und befindet sich etwa 12 km südlich von Bogomasowo. Am Fuße des Berges entspringen Otnaschka und Enkla, die zwischen Bogomasowo und Dolinsk in den Tock münden.

Das Klima ist ausgeprochen kontinental: der Winter lang, kalt und schneereich, während der Sommer heiß und trocken ist. Der Winter fängt schon Mitte Oktober mit dem ersten Schneefall an. Es bildet sich schnell eine dicke Schneedecke. Bis in die 50-er gab es haushohe Schneeverwehungen. Da die Ansiedlung in einer baumlosen Steppe liegt, können sich die Schneestürme, auf Russisch "Buran" genannt, richtig austoben. Es wirbeln riesige Schneemassen in der Luft, die einem Augen und Nase verkleben. Erst im April fängt dann mit der Scheeschmelze der Frühling an. Das Schmelzwasser füllt Flüsse und Bäche auf und lässt sie wochenlang über die Ufer treten. 80 % der gesammten Jahreswassermenge des Tocks fliessen in dieser Zeit. Im Rest des Jahres ist der Pegelstand niedrig. Der Sommer ist meist heiß und trocken mit seltenen aber heftigen Regenfällen. Da die Straßen größtenteils nicht asphaltiert sind, gibt es nach dem Regen riesige Wasserlachen. Die Niederschläge sind mit 300-400 mm pro Jahr im Vergleich zu Deutschland mit über 800 mm gering, davon fällt der grösste Teil im Winter als Schnee.

In dem Zeitraum 09.03.2000-08.03.2004 war, nach den Daten der meteorologischen Station in Busuluk, die sich etwa 80 km von Pleschanowo entfernt befindet, die höchste Temperatur 34 Grad und die niedrigste -35 Grad. Es gab durchschnittlich 445 mm Niederschlag pro Jahr.

Karte von Neu Samara bei Google Earth. Wie man sieht die geographischen Koordinaten von Pleschanowo sind 52°50' Nord , 53°29' Ost. Am einfachsten ist es in das Suchfenster Pleshanovo, Russia einzugeben. Bei langsamerer Internetverbindung kann man auch Google Maps benutzten